Review der Podiumsdiskussion -

Wie wir das Land der Frühaufsteher zum Land der Hierbleiber machen können.

In der Podi­ums­dis­kus­si­on frag­ten wir nach Pro­ble­men, die sich beim Berufs­ein­stieg von Absol­ven­ten spe­zi­ell aus dem aka­de­mi­schen Bereich erge­ben. Eini­ge Ergeb­nis­se der Dis­kus­si­on sol­len im Fol­gen­den erläu­tert wer­den.

Auf dem Podi­um zu Gast waren Prof. Dr. Chris­toph Wei­ser, Pro­fes­sor für Inter­nes Rech­nungs­we­sen und Con­trol­ling an der MLU Hal­le-Wit­ten­berg, Dr. Petra Sach­se, Lei­te­rin des Dienst­leis­tungs­zen­trum Wirt­schaft und Wis­sen­schaft der Stadt Hal­le, Ste­fan Per­son, Begrün­der des Job­por­tals jobsowiedu.de und Erik Zel­ler, Lei­ter der Per­so­nal­ent­wick­lung bei der PS Uni­on in Hal­le.

Eines wur­de im Ver­lauf der Dis­kus­si­on schnell klar: Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­lü­cke zwi­schen Unter­neh­men und Job­su­chen­den führt dazu, dass „Der Blin­de den Stum­men sucht“, so Ste­fan Per­son. Neben der offen­sicht­li­chen Not­wen­dig­keit einer Zusam­men­ar­beit von öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen mit Unter­neh­men und Absol­ven­ten muss es auch dar­um gehen, die Infor­ma­ti­ons­de­fi­zi­te auf bei­den Sei­ten der Arbeits­su­che zu über­win­den:  Arbeit­ge­ber möch­ten einen Über­blick über die Abschlüs­se von Absol­ven­ten und die damit ver­bun­de­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen, Absol­ven­tin­nen hin­ge­gen ist nicht bewusst, wel­che Art von Betrieb ihnen wel­che Vor­tei­le bie­ten kann.

Das Podi­um war sich einig: einen aku­ten Fach­kräf­te­man­gel gibt es in der Regi­on Hal­le noch nicht. Damit das wei­ter­hin so bleibt müs­sen aber vie­le an einem Strang zie­hen:

Die öffent­li­che Hand hat die Auf­ga­be einen Bil­dungs­auf­trag zu erfül­len. Aus Sicht der Unter­neh­mer auf dem Podi­um soll­te eine Auf­klä­rung über die Arbeits­welt im Klas­sen­raum begin­nen. Dabei kann es nicht nur um har­te Fak­to­ren gehen, son­dern es soll­te auch das Indi­vi­du­um in den Blick genom­men wer­den, um mög­lichst früh die Qua­li­tä­ten jedes Ein­zel­nen erken­nen und för­dern zu kön­nen. Somit kön­ne auch ver­mie­den wer­den, dass ein­zel­ne auf der Stre­cke blei­ben.

Ein Ziel die­ser Bemü­hun­gen ist es, den Arbeits­markt schon für Schü­ler bes­ser greif­bar zu machen, ein wei­te­res, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Hal­le als Stadt zu ver­bes­sern: Bil­dungs- und Erzie­hungs­an­ge­bo­te ste­hen nach der Befra­gung von Absol­ven­ten durch das Team von Cam­pus Visi­on an zwei­ter Stel­le der wich­tigs­ten Umfeld­fak­to­ren, nur über­trof­fen von der infra­struk­tu­rel­len Anbin­dung.

Natür­lich sind auch die Unter­neh­men in der Pflicht, schließ­lich ist das Per­so­nal eine Res­sour­ce, die für den Erfolg eines jeden Unter­neh­mens unab­ding­bar ist. „Es gibt nicht weni­ger qua­li­fi­zier­te Arbeit­neh­mer als noch vor ein paar Jah­ren, es dau­ert heu­te nur län­ger eine Stel­le zu beset­zen“, ist Erik Zel­ler über­zeugt. Es müs­sen neue Wege gefun­den wer­den um Bewer­ber zu inte­grie­ren. Ist die­se Hür­de genom­men gilt es, die Ange­stell­ten im Betrieb zu hal­ten und wei­ter zu qua­li­fi­zie­ren.

Gera­de den Arbeit­neh­mern von mor­gen ist es wich­tig, nicht als Res­sour­ce betrach­tet zu wer­den, son­dern als Per­son mit Bedürf­nis­sen und Ansprü­chen. Fragt man nach den wei­chen Fak­to­ren der Anfor­de­run­gen von Absol­ven­ten an ihre zukünf­ti­gen Arbeit­ge­ber, so ste­hen an ers­ter Stel­le — wenig über­ra­schend — Zeit für Hob­bys und Kon­tak­te sowie Ver­ein­bar­keit von Arbeit und Fami­lie. Unter­neh­men kön­nen hier zusam­men­ar­bei­ten, um zum Bei­spiel gemein­sam Kin­der­gar­ten­plät­ze zu schaf­fen. Es bestand unter den Dis­ku­tie­ren­den Einig­keit dar­über, dass Unter­neh­men, die sich die­sen Mög­lich­kei­ten ver­schlie­ßen mit­tel- und lang­fris­tig nicht mit­hal­ten kön­nen wer­den. Neben Pro­dukt­mar­ke­ting müs­sen Unter­neh­men sich auch stär­ker im Per­so­nal­mar­ke­ting enga­gie­ren, so Ste­fan Per­son.

Wie Prof. Chris­toph Wei­ser bemerk­te, gibt es bereits diver­se For­men der Zusam­men­ar­beit von Unter­neh­men mit der Uni­ver­si­tät, einer Inten­si­vie­rung der Zusam­men­ar­beit kann für bei­de Sei­ten frucht­bar sein: Ste­fan Per­son ver­gleicht das Enga­ge­ment von Unter­neh­men an der Uni­ver­si­tät mit einem Abend­essen im Hotel: So wie es oft in Hotel­re­stau­rants sehr gutes Essen gibt, man aber sel­ten ein Abend­essen in einem Hotel in der Hei­mat­stadt in Betracht zieht, gibt es auch an der Uni­ver­si­tät die bes­ten Leu­te, es wen­den sich aber nur weni­ge Unter­neh­men der Uni­ver­si­tät zu.

Dr. Petra Sach­se bemerk­te, dass bei den Stu­die­ren­den oft fal­sche Erwar­tun­gen davon geschürt wer­den, was im Berufs­le­ben auf sie zukommt. Das Zerr­bild wer­de auch oft­mals in Medi­en bestä­tigt und so sind die Stu­den­ten des­il­lu­sio­niert, wenn sie ins Berufs­le­ben ein­stei­gen. Die Stu­die­ren­den ste­hen hier in der Ver­ant­wor­tung sich auf das Berufs­le­ben vor­zu­be­rei­ten. Das kann zum einen durch Prak­ti­ka gesche­hen, zum ande­ren durch das Wahr­neh­men von Ange­bo­ten an der Uni­ver­si­tät oder durch Teil­nah­me an Ver­an­stal­tun­gen wie der Schnack­lounge, die eine Platt­form zum unge­zwun­ge­nen Aus­tausch zwi­schen Unter­neh­mern und Stu­die­ren­den bie­tet.

Zusam­men­fas­send lässt sich also sagen, dass es in der Zukunft des Hal­li­schen Arbeits­mark­tes auf ein Zusam­men­spiel ver­schie­de­ner Fak­to­ren ankom­men wird. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Arbeit­ge­bern und (zukünf­ti­gen) Arbeit­neh­mern, sowie zwi­schen allen ande­ren Akteu­ren, nimmt dabei eine zen­tra­le Rol­le ein. Kei­ner kann dar­auf war­ten, dass sich die Din­ge von allein dem Posi­ti­ven zuwen­den. Mit einer Ver­knap­pung der Res­sour­ce Arbeits­kraft gewinnt die Kom­mu­ni­ka­ti­on in allen Kanä­len an Bedeu­tung.